Nov
13
2002

Stammtisch zum Thema Fichtelgebirgsautobahn in Immenreuth

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Ahornberg. (mez) Immenreuth und Neusorg bekommen eine eigene Autobahnausfahrt. Beinahe wäre dieser Gedanke keine Zeitungsente, sondern durchaus Realität geworden, was beim Vortrag zur EU-Osterweiterung der Jungen Union deutlich wurde. Bernhard Söllner begrüßte zu der Veranstaltung im Gasthof „Zum Flötztal“ vor allem die Kollegen aus dem neu gegründetem Ortsverband in Neusorg, den diese geplante Fichtelgebirgsautobahn genauso betraf.

Im ersten Teil des zweigeteilten Vortrags ging der Referent des Abends Roman Melzner(stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union) auf allgemeines Hintergrundwissen zur EU-Osterweiterung ein. Vor allem bei den wirtschaftlichen Auswirkungen auf den ostbayerisch-tschechischen Raum entstand eine angeregte Diskussion unter den Zuhörern zu Themen wie Höchstfördergebiet, Lohngefälle und Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreizügigkeit.

Der zweite Teil beschäftigte sich mit dem eigentlichen Thema des Abends, der Fichtelgebirgsautobahn. Dazu vertrat der Referent den Standpunkt, daß die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor allem bei der Infrastruktur schleunigst verbessert werden müßten. Unser tschechischer Nachbar sei uns hier bereits um viele Schritte voraus.
Zwar wurde die Nord-Süd-Verbindung der Autobahn A93 bis nach Hof im Jahr 2001 verwirklicht, die Fertigstellung der A6 hingegen sei nach wie vor schlimmer als nur als „stark schleppend“ zu bezeichnen. Der Lkw-Anteil in unserer Region wird nachweislich durch die Osterweiterung enorm zunehmen. Ein Ausbau der Bundesstraßen B22, B 303 und die B269 sei hier der falsche Weg, da wir hier ansonsten im Stau ersticken werden. Vor allem die B303 sei aufgrund der hohen Steigungen im Fichtelgebirge baulich nicht mehr stark verbesserungsfähig.

Eine Autobahn hingegen verbessere die wirtschaftlichen Standortbedingungen des strukturschwachen ostbayerischen Raums. Außerdem schließt diese die Lücke im internationalen Fernstraßennetz. Selbst die EU habe eine solche Autobahn ins „Transeuropäische Fernstraßennetz“ schon aufgenommen, nur die regierenden Politiker in Berlin verschließen als Bauherr derzeit immer noch die Augen davor, so Melzner.

Aus Richtung Frankfurt über die A70 kommend sei derzeit ab Bayreuth Schluß und ein Umsatteln vor allem auf die Bundesstraße B303 bis hin zum Grenzübergang nach Schirnding notwendig. Die Osterweiterung kommt in einem knappen Jahr und die Tschechen bauen derzeit ihre Autobahn R6 aus Richtung Prag kommend ebenfalls bis zum Grenzübergang Schirnding aus.

Das Straßenbauamt Bayreuth hat zusammen mit der Regierung von Oberfranken anfangs des Jahres verschiedene Projektvorschläge erarbeitet und diese in Berlin vorgelegt. Anhand der Kriterien einer Raumempfindlichkeit (Umweltauswirkungen), der Verkehrswirksamkeit, der Bau- und der tatsächlichen Streckenlänge zwischen dem Autobahndreieck Kulmbach und Schirnding, den Kosten und dem jeweiligen Struktureffekt wurden insgesamt fünf Trassen erarbeitet, die Melzner anhand einer Karte den interessierten Zuhörern zeigte.

So werde geschätzt, daß die meisten Kraftfahrzeuge die Trasse „Süd“ und „Mitte-Süd“ anziehen und somit das Umland entlasten würde. Auch die geringste Bau- und Streckenlänge würden diese beiden Varianten mit rund 40 Kilometern Autobahn beinhalten. Eine “Südumfahrung des Fichtelgebirges“ vorbei an Weidenberg, Immenreuth, Neusorg und Waldershof, würden hingegen über 64 Kilometer in Anspruch nehmen, was sich gleichzeitig auch auf die Kosten niederschlagen würde.

Mit geschätzten 530 Millionen Euro wäre die „Südumfahrung des Fichtelgebirges“ auch die teuerste Variante geworden. Die Trasse „Mitte-Süd“ kostet 403 Millionen und die Trasse „ Süd“ 364 Millionen Euro. Diese beiden Varianten beinhalten hingegen einen Tunnel durch den Waldstein bei Weißenstadt. Als Projektvorschlag als Alternative zum derzeit im Bedarfsplan für Bundesfernstraßen wurde so auch die Varianten „Mitte“ und „Mitte-Süd“ nach Berlin weitergegeben. Bis die Autobahn aber endlich kommt, werden wohl noch weitere knapp zehn Jahre vergehen, befürchtete der Referent.

Abschließend bedankte sich Christian Heinl vom Ortsverband Neusorg und Bernhard Söllner aus Immenreuth beim Referenten Roman Melzner für den knapp zweistündigen Vortrag mit einem Riesenhumpen Bier.

 

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